Free Jazz in der DDR

Während meines Studiums an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber in Dresden hatte ich das große Glück, in engem Kontakt mit Günter "Baby" Sommer zu stehen, einer der prägendsten Figuren des Free Jazz in der DDR. Seine Erzählungen und seine Musik öffneten mir die Augen für eine faszinierende, vielschichtige Welt, die weit über die Töne hinausging. Es waren diese Begegnungen, die mich inspirierten, mich intensiver mit der Geschichte und den sozialen Dimensionen des Free Jazz in der DDR auseinanderzusetzen.

Meine Dissertation widmet sich einer zentralen Frage, die mich seit Jahren faszinierte: Wie konnte der Free Jazz, eine Musikrichtung, die durch radikale Freiheit, Improvisation und oft subversive Haltung geprägt ist, in einem staatlich regulierten, sozialistischen System wie der DDR eine so starke Präsenz gewinnen?

In meiner Arbeit untersuche ich, welche kulturellen, sozialen und politischen Faktoren dazu beitrugen, dass der Free Jazz in der DDR nicht nur überlebte, sondern sich zu einem wichtigen Bestandteil der Musik- und Kulturszene entwickelte. Dabei vergleiche ich diese Situation mit der in der BRD und der Volksrepublik Polen, um die unterschiedlichen Rahmenbedingungen und ihre Auswirkungen auf Musiker und Publikum herauszuarbeiten. Während der Free Jazz in der BRD oft als Ausdruck bürgerlicher Avantgarde wahrgenommen wurde und in Polen zwischen staatlicher Förderung und künstlerischer Opposition schwankte, hatte er in der DDR eine einzigartige Rolle: Er wurde zu einem Raum für künstlerische Selbstbehauptung und für viele zu einem Akt des subtilen Widerstands.

Mein eigenes musikalisches Schaffen und die persönliche Nähe zur Jazzszene haben mir bei dieser Forschungsarbeit geholfen, einen direkten Zugang zu den Themen und den Menschen zu finden, die den Free Jazz in der DDR geprägt haben. Interviews mit Zeitzeugen, die Analyse von Archivmaterial und meine eigene Erfahrung als Musiker fließen in diese Arbeit ein, um die Attraktivität des Widerständigen zu beleuchten, die diese Musikrichtung damals wie heute so besonders macht. Der Free Jazz in der DDR war nicht nur eine Musik – er war eine Haltung. Eine Haltung, die bis heute nachhallt und die mich tief inspiriert hat.